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20.02.2005

Im Blickpunkt: T. Schröder

Trainer im unruhigen RuhestandUSC-Ex-Coach Timo Schröder hat lange gebraucht, um wieder ohne Wehmut zusehen zu könnenVon Stefani Franzke

"Sagen wir mal, ich bin Trainer im Ruhestand", lacht Timo Schröder. Das ist allerdings inzwischen auch nur noch die halbe Wahrheit. Nach einigen Monaten Pause begibt sich der ehemalige Trainer der Volleyball-Bundesliga-Frauen des USC Braunschweig nämlich wieder an den Spielfeldrand. Diesmal allerdings im Jugendbereich.Schweren Herzens hatte Schröder nach der ersten Erstliga-Saison der USC-Frauen im vergangenen Mai als Coach aufgehört. "Das ist mir nicht leicht gefallen. Ich habe wochenlang überlegt", erinnert sich der Mathe- und Sport-Lehrer nur ungern an diese Zeit. Hätte er weiter Coach bleiben wollen, hätte Schröder die Stundenzahl am Martino-Katharineum (MK) noch weiter reduzieren müssen. Er entschloss sich dagegen, stockte von einer dreiviertel wieder auf eine volle Stelle auf. "Erst jetzt bin ich wieder so weit, dass ich ohne schweres Herz die Spiele der Mannschaft ansehen kann", gesteht er. Lange habe er dazu gebraucht. Und erst bei der Heimpartie der nun von Markus Weber trainierten Mannschaft gegen Leverkusen vor zwei Wochen wagte sich Schröder in die Tunica-Halle.Und nun? "Ich schlafe zumindest wieder mehr als zu Erstligazeiten. Über Langeweile kann ich mich aber auch nicht beklagen", erzählt der engagierte Lehrer, der nun auch wieder Zeit findet, selbst Volleyball zu spielen. Immerhin stand Schröder vor gut drei Jahren, als er als Coach nach Braunschweig kam, als Spielertrainer in der zweiten Liga in Hildesheim auf dem Feld. Nun unterstützt er die "alten Herren" des USC – die dritte Mannschaft in der Verbandsliga.Und spielt auf Augenhöhe mit seiner Freundin Katharina Galland, die vor Jahren ihr Abitur am MK ablegte. "Mucki" ist ein Urgestein des USC-Damenvolleyballs, hat mit Timo Schröder zusammen ihre Karriere in der Bundesliga beendet. Auch sie spielt jetzt in der dritten Mannschaft – auch in der Verbandsliga.Vermutlich hätte Timo Schröder den "Absprung" zum Ende der vergangenen Saison nicht gewagt, würde die Volleyball-Nachwuchsförderung am MK nicht so groß geschrieben. Hier hat der gebürtige Barsinghäuser jede Menge Gelegenheit, sein Wissen rund um diesen Sport weiterzugeben. Und ein erstes zaghaftes Trainer-Engagement im weiblichen Nachwuchsbereich deutet sich auch schon an. "Wir gründen gerade eine Gruppe von Sechstklässlerinnen, die regelmäßig trainieren. Katharina hilft mir dabei", erzählt er.Viele Erlebnisse aus dem ersten Erstliga-Jahr des USC werden dem Lehrer noch lange in Erinnerung bleiben – neben dem Schlafmangel und den weiten Auswärtsfahrten an den Wochenenden auch ganz viele schöne Dinge: "An das Relegationsturnier in Grimma zum Beispiel denken Antal Papp, mein Co-Trainer aus der Zeit, und ich viel", erzählt Schröder.Mit dem Sieg im letzten Spiel gegen Grimma gelang dem USC Platz zwei in der Relegation. Das war zwar der sportliche Abstieg, reichte aber später doch, um für Ulm in die erste Liga nachzurücken.So ganz ausschließen möchte Schröder eine Rückkehr als Trainer in die Bundesliga – ob nun erste oder zweite – keinesfalls. Das allerdings ist Zukunftsmusik – und derzeit absolut kein Thema.Wichtig ist für Timo Schröder die soziale Komponente als Trainer: "Der Zusammenhalt einer gewachsenen Mannschaft bringt viel. Wir hatten das noch. Mit der Professionalisierung hat sich im neuen Team viel geändert. Das sind Profis, der alte Kern ist nicht mehr dabei. Und das hat selbstverständlich auch den Anspruch aller Beteiligten verändert", erzählt Schröder. Er ist sich sicher, dass das Team das Zeug hat, um in der Liga gut mitzuspielen.Ob er es morgen zum Pokalspiel des USC gegen Tabellenführer Rote Raben (15 Uhr, Tunica-Halle) schafft, weiß er noch nicht genau. Sein Terminplan ist eigentlich voll. So ist das bei einem Trainer im (Un-)Ruhestand...(Aus: Braunschweiger Zeitung vom 27.11.2004, S. 17)