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03.03.2021

Online-Ausstellung des Seminarfachs Kunst: Verwandlung

In den letzten eineinhalb Jahren setzten wir uns im Seminarfach Kunst mit dem Thema Verwandlung auseinander. Wir beschäftigten uns mit verschiedenen Künstlern/innen und  entwarfen eigene  Arbeiten zu diesem Thema. Diese Vorbereitung diente der Findung eines künstlerisch-praktischen Schwerpunkts zum Thema Verwandlung, mit dem wir uns dann in unseren eigenen Facharbeiten auseinandersetzten. So entstanden ganz unterschiedliche und individuelle Werke, die das Thema auf persönliche oder auch sozialkritische Weise aufgreifen.

Verwandlung ist als weiter Begriff aufzufassen, der beispielsweise von der Verwandlung des eigenen Ichs durchs Selbstinszenierung bis hin zur Metamorphose in der Natur reicht. Auch die Verwandlung der Umwelt durch den Menschen, was ein sehr aktuelles Thema ist, setzten einige von uns in ihren Facharbeiten um.

Nach den Sommerferien hatten wir sechs Wochen Zeit, um unsere Ideen zu verwirklichen.

Als Abschluss war eine gemeinsam konzipierte Ausstellung im Kunstverein Braunschweig geplant, in der die Facharbeiten Familien, Freunden und Interessierten präsentiert werden sollten. Leider konnte die Ausstellung aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Somit haben wir Kursteilnehmer/innen uns mit Frau Naji überlegt, alternativ eine Online-Ausstellung auf die Beine zu stellen.

Wir freuen uns, so einen Weg gefunden zu haben, unsere Arbeiten trotzdem der Öffentlichkeit präsentieren zu können und laden Sie herzlich dazu ein, unsere Kunstwerke zu betrachten.

Jil Donath und Nele Hasenbank

Antonia Homburg: Meister der Verwandlung, 2020. Acryl, Ton und Mosaik auf Glas, 110 x 95 cm

Das Phänomen Mimikry beschreibt die evolutionäre Strategie einer Tierart, das Aussehen einer anderen Tierart nachzuahmen. So werden die sich verwandelnden Tiere von Fressfeinden nicht erkannt oder sogar gemieden.

Die Mimikry-Krake kann bis zu 15 andere Meeresbewohner imitieren. Zur Verwandlung der Mimikry-Krake entstand meine Bildreihe, in der durch ganz unterschiedliche Materialien die verschiedene Tarntrachten dargestellt werden.

Moritz Eckert: Auflösung des menschlichen Körpers, 2020. Plastik aus verschweißten Unterlegscheiben, ca. 100 x 60 x 30 cm

Dargestellt ist die Auflösung eines weiblichen Körpers. 

Die Verwandlung ist in der Demontage der Extremitäten als auch im Entstehungsprozess von flachen Unterlegscheiben zu einem plastischen Körper zu erkennen. Die blickdurchlässige Oberfläche verstärkt den Auflösungseffekt und die Reflektionen die Plastizität. Dabei stehen die Eigenschaften des Materials im Widerspruch zur Eleganz des weiblichen Körpers.

Maxima Widera: Ikarus 2020. Digitale Zeichnung, ca. 29 x 42 cm

Meine Arbeit beschäftigt sich mit den Gefahren der Modernisierung bzw. Industrialisierung und bezieht sich dabei auf Ikarus aus der griechischen Mythologie. Dieser versuchte mit Flügeln aus Wachs von einer Insel zu fliehen und selbst nach mehrfacher Warnung seines Vaters wurde er hochmütig und flog zu nah an die Sonne. Seine Flügel schmolzen und er fiel ins Meer und ertrank. Ikarus stellt bei meiner Arbeit eine Metapher für den modernen Menschen dar. 

Julie Zarezke: Metamorphose des Menschen, 2020. Bleistiftzeichnung auf Aquarellpapier, 70 x 100cm

Geboren werden wir als „Prototyp" eines Menschen. Im Laufe unseres Lebens müssen wir immer wieder Entscheidungen treffen, lassen uns von unserem Lebensumfeld beeinflussen, werden krank und wieder gesund, erleben gute und schlechte Momente. Wir gehen eine individuelle menschliche Metamorphose durch und unser Körper mit uns.

Lina Selmigkeit: Gestern, heute, morgen ...., 2020. Fotoserie, jeweils ca. 40 x 30 cm

Zu sehen sind drei gerahmte Fotografien von mir selbst vor einem Hintergrund, der aus Pflanzen und von mir produzierten Plastikmüll gestaltet ist. Inspiriert von Michael Jackson’s Musikvideo zu „Earth Song“, versuche ich, drei Zustände der Erde zu verkörpern: den Ursprung, die Gegenwart und die Zukunft. Die Zukunft wie sie vielleicht aussehen wird, wenn wir nichts ändern. 

Rabea Kiepert: Vermüllung der Erde, 2020. Objekt aus Resten, Müll und Naturmaterialien, ca. 40 x 80 x 80 cm

Die Plastik besteht vollständig aus gesammeltem Müll, Resten und einigen Naturmaterialien. Dargestellt werden soll eine dramatisierte Version, was aus unserer Welt werden könnte, wenn wir nicht anfangen, sie besser zu behandeln.

Da durch die Konsumsucht so viel Müll produziert wird, versinken wir im Müll, sodass auch hier die Unterkonstruktion der Weltkugel in sich zusammensackt unter diesem Gewicht. Ein Kontrast zwischen der Tristheit der grauen Beispielstadt und der grün-braunen Natur trägt dazu bei, diese Dystopie besser zu veranschaulichen. Die zwei kleinen Figuren sind Beobachter, die nur dabei zusehen, was mit der Welt passiert, und nichts tun um einzugreifen. Das Werk soll auf die fortschreitende Umweltverschmutzung aufmerksam machen. 

Jil Donath: Die ablaufende Zeit der Natur, 2020. Glasgehäuse, echte Pflanze und innerhalb eines Tages selbst produzierter Müll, 11 x 11 x 45 cm

Wusstest du, dass weltweit eine Millionen Plastikflaschen in der Minute verkauft werden? 

Und dies nur, damit wir sie einen halben Tag in unserer Schultasche herumschleppen und dann zusammen mit der Kaugummihülle und der Schokoriegelverpackung entsorgen?

Wie dieses Konsumverhalten der Weltbevölkerung die Umweltzerstörung vorantreibt, stelle ich in meiner Arbeit in abstrahierter Weise dar.

Charlotte Ballof: HUMAN, 2020. Collage, 210 x 60 cm

Was bedeutet eigentlich Menschlichkeit?

In meiner Arbeit bringe ich meine grundlegende Vorstellung von Menschlichkeit zum Ausdruck, indem ich ganz verschiedene Aspekte davon darstelle. Doch auch Situationen oder Ereignisse werden sichtbar, in denen die Menschlichkeit außen vor gelassen wird, wodurch gesellschaftliche Probleme beleuchtet werden.

Die Verwandlung in meiner Arbeit besteht darin, dass sich viele kleine Zeichnungen, Schriftzüge, Malereien und Drucke zu einem Wort zusammensetzen und zu einem großen Ganzen werden: HUMAN.

Was ist deine Auffassung von Menschlichkeit? Was sollte sich deiner Meinung nach an der Gesellschaft ändern?

Elisabeth Eydelman: Wünsch Dir was!, 2020. Installation aus beschrifteten Notizzetteln und Fäden, 200 x 150 cm

Für meine Arbeit habe ich ungefähr 200 Alltags- und Kindheitswünsche von ganz verschiedenen Menschen gesammelt, aufgeschrieben und miteinander verbunden. Viele kleine und große Wünsche werden so sichtbar gemacht. Oft sind es dabei die kleinen Dinge, die einen glücklich machen.

Nele Hasenbank: Begegnung am Meer, 2020. Plastik aus altem Styropor, Plastiktüten, Acrylfarbe und Plastiknetz, ca. 150 x 30 x 15 cm

Ein Spaziergang am Meer. Die rauschenden Wellen kitzeln meine Füße. Die kreischenden Möwen klingen wie der Gesang des Meeres und unter meinen Füßen der quietschende Sand. Was für ein großartiges Gefühl!

Doch die Realität holt mich schnell wieder ein, als ich herumfliegende Plastiktüten und Café To-Go Becher am Strand entdecke, die das Meer auszuspucken scheint.

Dieser Anblick ging mir nicht mehr aus dem Kopf. So fasste ich den Entschluss einen Selbstversuch durchzuführen und auf Plastikverpackungen bei Lebensmitteln und Kosmetik weitgehend zu verzichten. Es fühlte sich gut an. Doch es war teilweise auch eine Herausforderung zum Beispiel auf feste Shampoos umzusteigen und Obst und Gemüse ohne Verpackungen zu kaufen.

Mir kam die Idee eine Meerjungfrau aus altem Styropor und Plastikmüll anzufertigen. Außerdem verarbeitete ich alte Tüten, die man früher bei jedem Einkauf erhielt.

Der Plastikmüll in den Ozeanen hat fatale Folgen für Menschen und Tiere. Die Tiere verfangen sich in alten Fischernetzen oder vergiften sich, weil sie den Müll mit Nahrung verwechseln. Und am Ende dieser Nahrungskette landet der Fisch auf unserem Teller.

Wollen wir weiter so mit unserem Planeten umgehen?

Luise Tzanetatos: Textilindustrie, 2020. Installation aus Schneiderpuppe, Stoff, Garn und Pappe

Heute schon geshoppt?

Jeder Deutsche kauft durchschnittlich 60 neue Kleidungstücke pro Jahr. Vor allem günstige Fast Fashion Teile werden immer beliebter. Doch die Fast Fashion Industrie gilt weltweit als zweitgrößter Umweltverschmutzter und ist alleine für rund 10% der globalen Emissionen verantwortlich. Die Entstehungsprozesse sind verantwortlich für große Mengen Mikroplastik im Meer und außerdem der Grund für die Austrocknung sowie Verunreinigung vieler Gewässer. Alleine bei der Herstellung eines T-Shirts aus Baumwolle werden rund 2700 Liter Wasser benötigt. In meiner Arbeit möchte ich auf die Problematik der Textilindustrie im Hinblick auf die ökologischen Folgen aufmerksam machen.  

Clara Vornweg: Medusa, 2020. Objekt aus Draht, Holz, Verpackungsmaterial, Plastik und Aluminium, ca. 60 x 80 x 80

Die Medusa ist eine Figur aus der griechischen Mythologie, die bekannt für ihr angsteinflößendes Erscheinungsbild ist. Aus ihrem Kopf wuchern Schlangen und ihr Blick lässt jeden, den er trifft, zu Stein erstarren. Eine gruselige Verwandlung, die sich auch auf unsere heutige Welt beziehen lässt. Aus einer schönen, unberührten Natur wird ein mehr und mehr vermüllter Tatort, dem die Tiere auf dieser Erde zum Opfer fallen. Eine Verwandlung, die wir verhindern müssen... 

Nele Regenhardt: Bildung als Chance, 2020. Installation aus Draht, Gipsbinden und Schulmaterialien, ca. 40 x 14 x 150 cm

Viele Kinder auf der Welt sind in ihrem Leben noch nie zur Schule gegangen und bekommen auch nie die Möglichkeit diese nachzuholen. Dabei kann der Erhalt von Bildung ein Leben von Grund auf verändern, Hoffnung geben und neue Perspektiven eröffnen. Darauf möchte ich in meiner Installation den Blick lenken. Was bedeutet Bildung für dich?