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MK-Schüler gestalten eine Kunst-Ausstellung

Ein Pappkarton für jedes tote Kind

Schüler des Martino-Katharineums eröffneten eine Kunst-Ausstellung zum Braunschweiger Kindermord

Über 300 Säuglinge polnischer Zwangsarbeiterinnen starben zwischen 1942-1944 im damaligen Entbindungsheim Broitzemer Straße. Schüler des Martino-Katharineums näherten sich dem traurigen Kapitel künstlerisch, zeigen ihre Werke nun in einer Ausstellung.
Meterhoch stapeln sich in der Apsis der Friedenskapelle Helmstedter Straße die gut 300 Pappschachteln. "Nr. 41" steht auf jeder einzelnen. So lautete die von den Nationalsozialisten vereinheitlichte Markenbezeichnung für Margarineprodukte. Den Tod der Säuglinge durch Verwahrlosung oder Unterernährung nahm das NS-Regime billigend in Kauf. Ihre Leichen wurden würdelos in Margarinekartons beerdigt oder verbrannt.
Seit Mai beschäftigten sich Schüler des Martino-Katharineums (MK) mit dem Thema. Sie recherchierten im Internet, durchforsteten Literatur, entwickelten Ideen zur künstlerischen Umsetzung. Ihre nun präsentierten Zeichnungen und bearbeiteten Fotos lösen Beklemmung aus, sollen zum Nachdenken anregen. "Der Braunschweiger Kindermord. Eine Annäherung", lautet der Titel der Ausstellung.
Aktueller Anlass für die Auseinandersetzung mit der Problematik ist der in den Medien sehr präsente Fall Nadine. "Dieses öffentliche Mitgefühl hat es für die Säuglinge nicht gegeben", sagt Studienreferendarin Alexandra Ohibsky. Den 27 Schülern erleichterte die Aktualität den Zugang zu dem sensiblen Thema. Eine Kunst-Stunde pro Woche reichte dafür nicht aus. Sie opferten viel Freizeit, ließen sich von Ulrich Schade vom Gedenkstätten-Verein Kindergräber auf dem Ausländerfriedhof zeigen. An einem zusätzlichen Projekttag bereiteten sie die Ausstellung vor.
"Wir wollten uns tief in die Thematik einarbeiten, damit wir auch alles richtig darstellen", berichtet Schülerin Janina Meier. "Wir hoffen, dass nun auch viele Leute kommen und sich Gedanken machen", meint ihre Mitschülerin Carolin Schröder.
In der feierlichen Eröffnung spielte das Schulorchester die Filmmusik von "Schindlers Liste". Vier Schüler präsentierten eine szenische Darstellung. Reinhard Bein (Arbeitskreis Andere Geschichte e.V.) las Zeitzeugenberichte vor.
Der Historiker begleitete die Schüler fachlich: "Es gibt ja Leute, die sagen: Wenn das falsch ist, ist alles falsch", sagt Bein, der so der Auschwitz-Lüge vorbeugen wollte.

SERVICE 
Ausstellung zum Kindermord
Dauer: 4. Juli bis 30. August
Öffnungszeiten: Dienstags 15 bis 18 Uhr und nach telefonischer Absprache: 0531/37  33  05
Ort: Friedenskapelle Helmstedter Straße 53
Idee und Gestaltung: Klasse 11d des Braunschweiger Gymnasiums Martino-Katharineum
Veranstalter: Verein Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

(Text: Henning Thobaben, Braunschweiger Zeitung vom 6. Juli 2007, S. 28)