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30 Stunden Kunst und Kultur satt in Berlin

Für etwa 30 Stunden ist der Kunst-Leistungskurs von Frau Dammeyer am ersten Aprilwochenende nach Berlin gefahren. Ich glaube, ich habe noch nie in einer so kurzen Zeit so viel gestanden - denn wie es sich für einen Kunst-Leistungskurs gehört, haben wir natürlich viel Zeit in Museen verbracht.

Gestartet haben wir direkt, als wir am Hauptbahnhof Berlin ankamen. Von dort ging es nämlich zum "Hamburger Bahnhof", zu Fuß keine fünf Minuten vom richtigen Bahnhof entfernt. Dort durften wir alleine in zwei Stunden umherstreunen und uns alles anschauen. Jetzt muss man sich keine großen Räume mit Gemälden vorstellen, es waren vor allem Rauminstallationen – eben moderne Kunst. 

Man muss weder alles schön finden noch verstehen, doch oft findet man ja Gefallen an den unterschiedlichen Räumen.

In meinem Lieblingsraum, konzipiert von dem Schweizer Künstlerduo Peter Fischli und David Weiss, habe ich zwanzig Minuten verbracht: Es war ein großer, hoher und dunkler Raum, fast schon eine kleine Halle und an einer Wand waren ganz weit oben eine Reihe von Beamern auf ein Brett gestellt. Die Beamer haben Fragen und Sätze an die gegenüberliegende Wand geworfen, die dann immer mehr verblasst sind. Dabei gab es aber keine Ordnung oder ein erkennbares System, oft überschnitten sich die Sätze oder es gab mehrere in einer Ecke, während der Rest der großen Wand frei blieb. Die Sätze waren auf verschiedenen Sprachen, Deutsch, Englisch, Italienisch... Es waren ebenso banale wie auch tiefgründige Fragen wie "Was mache ich morgen?" oder "Wieso dreht sich die Erde exakt in einem Tag um sich selbst?", und "Verdaddel ich mein Leben?", "Wieso dreht sich die ganze Welt um mich?" oder "Bringt das was?". Eben Fragen die man sich abends im Bett gerne stellt.

Nach dem "Hamburger Bahnhof" sind wir im strahlenden Sonnenschein mit den Öffis mit einem kleinen Zwischenstopp beim Hotel, um unsere Rucksäcke loszuwerden, zu einer kleinen Pizzeria im Prenzlauer Berg gependelt. Zwar mussten wir eine Weile durch die Stadt fahren, doch es hat sich gelohnt und wir haben ein ausgelassenes, sehr leckeres Essen zusammen in der Sonne genossen.

Und schon ging es weiter zu unserem nächsten Programmpunkt: eine Tanzaufführung im Schiller Theater des Berliner Staatsballetts. Doch es war kein klassisches Ballett mit Orchester. Nein, Nein. Das Stück handelte von Gewalt, von körperlicher und seelischer, von Folter und Zwang. Es war nicht einfach, doch auf Grund der guten Darbietung und der hohen Tanzkunst sehenswert.

Etwas ermüdet und erledigt sind wir dann zurück zum Hotel geschlendert, um dort den Abend ausklingen zu lassen.

Der Samstag ging dann sofort mit Programm wieder los. Nach einem kurzen Frühstück ging es zum eigentlichen Grund unserer Reise: dem Georg Kolbe Museum. Georg Kolbe war der erfolgreichste deutsche Bildhauer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auf unserem Lehrplan für das Zentralabitur im Fach Kunst steht Kolbes „Tänzer Nijinsky“ ", eine Kleinplastik, die wir nun in Berlin hautnah betrachten konnten. Gekoppelt war dies mit einer Führung durch das ehemalige Wohn- und Arbeitshaus Kolbes. Anlässlich seines 140 Jährigen Geburtstages wurde die jetzige Ausstellung ihm gewidmet und überall standen Skulpturen oder Portraits oder hingen Zeichnungen von Skulpturen herum. Eine junge Kunsthistorikerin hat uns dort vieles erklärt, denn schließlich muss man ja die Hintergründe eines Künstlers kennen, um seine Kunst ansatzweise verstehen zu können. Und für die damalige Zeit – 1920 – in der Kolbe die Skulpturen entworfen hat, war es schon besonders, nackte, tanzende Figuren zu gestalten, die eben keine klassischen Ballettposen darstellen. Man muss verstehen, wieso Kolbes Kunstwerke etwas Revolutionäres an sich haben. Ein interessanter und aufschlussreicher Besuch.

Als letztes haben wir uns dann noch die alte Nationalgalerie angeschaut, wir hatten auch dort eine Führung und haben dort verschiedene Gemälde und Skulpturen von Menschen oder Menschengruppen betrachtet. Am Samstagabend ging es dann auch schon wieder zurück nach Braunschweig.

Ein gelungenes und lehrreiches Wochenende, mit viel Spaß und mit einer tollen Gruppe.

Zoe von Pilgrim