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Arnold Wilhelm von Bode

von Gerd Biegel

Der als Kunsthistoriker und Museumsdirektor berühmt gewordene Wilhelm von Bode wurde am 10. 12. 1845 in der braunschweigischen Exklave Calvörde geboren.

Der Enkel des Magistratsdirektors Wilhelm Bode begann nach seiner Gymnasialzeit am Martino-Katharineum ein juristisches Studium an den Universitäten in Göttingen und Berlin. 1867 machte Bode sein juristisches Staatsexamen in Braunschweig, wo er bis 1869 tätig war. Sein Interesse an dieser, der Familientradition entsprechenden Laufbahn als Jurist war jedoch gering, denn schon als Schüler war in ihm das Interesse an der Kunstgeschichte geweckt worden: »Wahre Freude an alter Kunst regte sich in mir, bald nachdem ich den ersten Begriff davon in den Sammlungen des Herzoglichen Museums in Braunschweig bekam«.1) Wilhelm von Bode nutzte daher jede Gelegenheit, die ihm sein Braunschweiger Amt bot, um sich mit kunstgeschichtlichen Arbeiten und Reisen zu befassen. Als er 1869 vom Ministerium in Braunschweig für ein Jahr beurlaubt wurde, begann er ein Studium der Kunstgeschichte in Berlin und Wien, das er mit der Promotion in Leipzig 1870 abschloß: »Der Rektor, dem ich pflichtschuldigst vorher einen Besuch abstattete, teilte mir seine Freude darüber mit, daß endlich einmal wieder ein Mitglied der berühmten Leipziger Professorenfamilie (Carpzow, D. A.) den Doktor machen wolle. Leider hätte aber Leipzig keinen Professor für Kunstgeschichte, so daß ein Privatdozent mich darin examinieren müßte, obenein nicht der kompetenteste Herr, wie ich ja selbst im Examen merken würde. Dieser Herr war Dr. Riegel, der wenige Monate später als Direktor des Herzoglichen Museums nach Braunschweig berufen wurde, da er von Leipzig aufs wärmste fortgelobt wurde«.2) 1872 übernahm Bode die Stelle eines Assistenten an der Skulpturenabteilung der Berliner Museen, verbunden mit dem Auftrag auch an der Gemäldegalerie zu arbeiten.

Sowohl seine Studienzeit als auch seine Tätigkeit an den Berliner Museen waren ständig unterbrochen durch Kunst- und Ankaufsreisen, bei denen es Bode gelang, die Skulpturenabteilung aus dem Nichts heraus zu einer Sammlung von Weltrang zu entwickeln.

Schwerpunkt waren hierbei Werke der frühen italienischen Renaissance, die Bode zu einer einzigartigen Sammlung zusammenführte, ergänzt durch eine in gleicherweise bedeutsame Sammlung deutscher Skulpturen des Mittelalters. In seinen Lebenserinnerungen berichtet Wilhelm von Bode anschaulich von diesen Reisen nach Frankreich, Italien, in die Niederlande und die nordischen Länder sowie die mit den jeweiligen Erwerbungen verbundenen Schwierigkeiten. Ganz besonders problematisch aber sollte während dieser ganzen Zeit das Verhältnis zum Generaldirektor der Berliner Museen bleiben, so daß manche Erwerbung nur mit erheblichem Einsatz und gegen die Zustimmung seines Vorgesetzten getätigt werden konnte. Dies galfgerade für den Ankauf von Gemälden, obwohl er bei dem Ausbau der Berliner Gemäldegalerie seine größten Erfolge verzeichnen konnte. So waren manche Maler erst durch Ankäufe von Wilhelm von Bode mit wichtigen Werken in den Berliner Museen vertreten. Dazu zählten Dürer oder auch L. Cra-nach, dessen Gemälde »Ruhe auf der Flucht« einer der wichtigsten Ankäufe von Bodes war. Stets aber mußte er sich mit schwierigen dienstlichen Verhältnissen und öffentlichen Angriffen auseinandersetzen: »Auch diese kleine Ausstellung ging nur langsam und unter fortwäh1 renden Kämpfen mit dem Generaldirektor voran. Dabei wurde Graf Usedom durch Professor Weiß energisch unterstützt, der die Zeichnungen im Kupferstichkabinett aufstellen und als seinen Triumph vorführen wollte. Gleichzeitig lähmten meine Tätigkeit Streitigkeiten und Rohheiten einzelner Aufseher, die schließlich (freilich außerhalb des Museums) sogar zu einem Totschlag führten, und bei deren Untersuchung ich weder vom Grafen noch von Meyer unterstützt wurde, dem die Aufsicht über das Personal, bei seiner ewigen Abwesenheit und Nervosität, höchst unsympathisch und meist unmöglich war. Dazu kamen damals gerade heftige Angriffe in der Presse sowie auch hinter unserem Rücken«.3)

Im Jahr 1883 wurde Wilhelm von Bode zum Direktor der Skulpturengalerie ernannt und er übernahm zusätzlich 1890 das Amt des Direktors der Gemäldegalerie. Seit dem 1. 12. 1905 war Wilhelm von Bode schließlich Generaldirektor der Berliner Museen. In diesem Amt sorgte er systematisch für die Erweiterung aller Sammlungsabteilungen. Darüber hinaus gründete er in seiner Amtszeit neue - heute international bedeutende - Abteilungen, wie die frühchristliche, byzantinische, islamische, frühmittelalterliche und ostasiatische Abteilung, um nur die wichtigsten zu nennen.

In fast genialer Weise gelang Wilhelm von Bode immer wieder die Finanzierung seiner Ankäufe, auch wenn die Museumsmittel bei weitem nicht ausreichten, und so vermehrten sich die Sammlungen derart, daß er sich auch dem Problem der zu klein gewordenen Ausstellungsräume gegenüber sah. Es bedurfte langer und sehr schwerer Kämpfe, bis ihm zur Lösung dieser Probleme, die Durchsetzung von Museumsneubauten gelang: das Kaiser Friedrich-Museum (heute Bode-Museum), das Pergamon-Museum und der Museumsbau Dahlem krönten schließlich dieses Bemühen.

Als Kunstwissenschaftler hatte sich Wilhelm von Bode ebenso wie als Museumsdirektor Weltrang verschafft, und die umfangreiche Publikationsliste umfaßt die verschiedensten Gebiete. Und so mag abschließend das Urteil von Ludwig Justi stehen: »Seine Leistung für die Wissenschaft ist ungewöhnlich hoch, seine Arbeit für die Berliner Museen und damit für einen Teil des geistigen Lebens in Deutschland unvergleichlich; das Ganze seiner Persönlichkeit wurde bereits von den Mitlebenden als genial bewundert«.4)

Am 1. 3. 1929 ist Wilhelm von Bode in Berlin verstorben.

Anmerkungen:
1) Wilhelm von Bode, Mein Leben. Band 1. Berlin 1930, S. 22
2) a.a.O.,S.36
3) a. a. O., S. 110
4) Ludwig Justi, Arnold Wilhelm von Bode, in: Neue deutsche Biographie Bd. 2. Berlin 1971, S. 347-348