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Karl Friedrich Gauß

von Gerd Biegel

Am 30. April 1777 wurde Karl Friedrich Gauß in Braunschweig geboren. 1788 kam er nach dem Besuch der Elementarschule in das Katharineum, wobei dies wohl in erster Linie wohlwollenden Förderern zu verdanken war, denn die in bescheidenen Handwerksverhältnissen lebenden Eltern sahen zunächst keine Möglichkeit für die weitergehende Bildung des Sohnes. Als Primaner wurde Karl Friedrich Gauß dem regierenden Herzog in Braunschweig, Karl Wilhelm Ferdinand (1780-1806), vorgestellt, der in der Folgezeit die Ausbildung des Schülers förderte, dessen außergewöhnliche Begabung schon deutlich erkennbar wurde. So ermöglichte es die finanzielle Unterstützung durch den Herzog, daß Gauß ab 1792 das Collegium Carolinum in Braunschweig besuchte und sein Studium 1795 in Göttingen begann.

Noch als Abiturient hatte Karl Friedrich Gauß die »Methode der kleinsten Quadrate« entwickelt, die schon früh sein Ansehen in der Wissenschaft begründen sollte. Auch seine ersten Beschäftigungen mit dem Gesetz der Primzahlen gehen noch auf die Schulzeit zurück. Ebenso mehrere Arbeiten, die für die weitere Entwicklung der Mathematik und der Geometrie von grundlegender, wenn nicht sogar entscheidender Bedeutung werden sollten. So gilt Gauß etwa als Begründer der Lehre von der Kreisteilung, deren Erarbeitung den entscheidenden Ausschlag dafür gab, daß er sich für einen Berufsweg im Fach Mathematik entschied. 1798 kehrte Gauß nach Braunschweig zurück, um seine Forschungsarbeiten zu veröffentlichen, 1799 zog er für kurze Zeit nach Helm-stedt, um die dortige Universitätsbibliothek zu nutzen.

In Helmstedt lebte er im Hause des Mathematikprofessors Johann Friedrich Pfaff, bevor er noch im gleichen Jahr nach Braunschweig zurückkehrte. Hier verfaßte er, als Ergebnis der Helmstedter Studien, eine Arbeit, mit der er an der philosophischen Fakultät der Universität Helmstedt in Abwesenheit unter Erlaß der mündlichen Prüfung promoviert wurde. Weitere Abhandlungen folgten, und am 31. Januar 1801 wurde Karl Friedrich Gauß aufgrund dieser Forschungsergebnisse zum korrespondierenden Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Petersburg gewählt. Sein Förderer, Herzog Karl Wilhelm Ferdinand, belohnte diese Anerkennung seines Schütz-linges durch die Gewährung eines Jahresgehaltes von 400 Talern, das Gauß auch weiterhin die Möglichkeit eröffnete, als Gelehrter ohne Lehrerverpflichtung tätig zu sein. Denn nur in einer solchen unabhängigen Position sah er die Voraussetzung, seine beruflichen Vorstellungen zu realisieren.

Der eigentliche Durchbruch war für Gauß jedoch die Berechnung der Bahn des 1801 von dem sizilianischen Astronomen Giuseppe Piazzi entdeckten Planeten Ceres. Diese exakte Berechnung brachte Karl Friedrich Gauß, sehr zum Unwillen des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand, eine Berufung als Direktor der Sternwarte in Petersburg ein. Diesen Ruf nahm er jedoch nicht an, vielmehr wurde er - nach zahlreichen Verhandlungen -1807 zum Direktor der Sternwarte in Göttingen und ordentlichen Professor der Astronomie berufen.

Am 9. Oktober 1805 hatte Gauß die Braunschweigerin Johanne Osthoff geheiratet. 1810 heiratete er in zweiter Ehe Minna Waldeck, eine Freundin seiner verstorbenen Ehefrau, und diese persönliche Entwicklung hatte wohl auch beruflich eine wichtige Folge.

Zu diesem Zeitpunkt nämlich erfolgte durch Wilhelm von Humboldt das Angebot zum Wechsel nach Berlin als ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Möglicherweise waren die familiären Umstände ein wesentlicher Grund dafür, daß Gauß auch diese Berufung nach Berlin ablehnte. Es war dies zwar nicht der letzte Versuch, ihn für Berlin zu gewinnen, aber auch zukünftig gelang es nicht.

Wichtige Arbeiten realisierte Karl Friedrich Gauß im Zusammenhang mit der hannoverschen Landesvermessung (1821-1825) zwischen 1818 und 1848, veröffentlichte grundlegende Forschungen zur Mathematik in den Jahren 1821,1826 und 1832, zu Mechanik 1829,1830 und 1839 und vor allen Dingen im Zusammenwirken mit Wilhelm Weber zwischen 1836 und 1841 zum Erdmagnetismus. Beide hatten 1833 den ersten elektromagnetischen Telegraphen angelegt, der für die Zukunft der Nachrichtenübertrag von so entscheidender Bedeutung werden sollte. Eine schwere Erkrankung belastete Karl Friedrich Gauß gegen Ende seines für die Wissenschaft so reichen und erfüllten Lebens und er starb am 23. Februar 1855 1). Sein Denkmal und die Ehrenbürgerwürde in Braunschweig sind nur ein Zeichen vielfältiger Ehren, die das Wirken und die Leistung von Karl Friedrich Gauß weltweit noch heute zu würdigen versuchen.

Anmerkung:
1) Cantor, Karl Friedrich Gauß, in: Allgemeine Deutsche Biographie, 8. Band. Leipzig 1878, S. 430-445; Ausstellungskatalog Carl Friedrich Gauss 1777-1855. Göttingen 1977; Festschrift zum 200. Geburtstag von Carl Friedrich Gauss. Göttingen 1977 (Gauss-Gesellschaft Göttingen, Mitteilungen Nr. 14).