mk:home | mk:connect | mk:600
Kontakt/Impressum | iServ

Constantin Uhde

von Dirk Loeben

Am 23. März 1836 ist Constantin Uhde in Braunschweig zur Welt gekommen. Sein Vater, Professor Dr. August Uhde, war Schulrat, und seine Mutter Pauline entstammte dem schottischen Adelsgeschlecht Macrae-Holmains. Der junge Uhde besuchte die Waisenhausschule, bis zur Primareife das Martino-Katharineum und von Ostern 1854 bis Ostern 1857 das Collegium Caro-linum, wo er in der technischen Abteilung seine Fachausbildung absolvierte. Während dieser Zeit konnte er Auszeichnungen für seine Baukonstruktionen und seine Leistungen auf dem Gebiet des Bau- und Freihandzeichnens entgegennehmen. Nach Beendigung seines Studiums wurde Uhde sofort in die herzogliche Baudirektion übernommen, wo er nach den Plänen und Anleitungen von Professor Ahlburg arbeitete.

Die Mitarbeit am Neubau der Zuckerfabrik von Barum war sein erstes Projekt, an das sich in den beiden folgenden Jahren der Bau der Zuckerfabrik in Braunschweig anschloß. Uhde war sogar für die Ausgestaltung der Aktienpapiere verantwortlich. Nach Beendigung dieser Aufgaben wandte er sich dem Bauelevenexamen zu, das er im April 1860 bestand; im gleichen Zeitraum wirkte er auch beim Neubau des Hoftheaters bis zu dessen Vollendung mit, wonach 1861 der Eintritt in die herzogliche Eisenbahnverwaltung als Ingenieur erfolgte.

Hier wurde Uhde dem Eisenbahnbaumeister Mena-dier zugeteilt, der in Greene den Bau zweier Tunnel und eines etwa 40 m hohen Viaduktes leitete. Dort lernte Constantin Uhde auch seine zukünftige Frau, Marie von Schwartzkoppen, kennen, die er am 9. April 1865 in Wolfenbüttel heiratete.

Zuvor jedoch reichte Uhde einen Konkurrenzentwurf für das Augusteum, ein Museumsbauprojekt in Oldenburg, ein und erhielt den ersten Preis. Daraufhin wurden seine Pläne zwar realisiert, aber stark verändert. Ein Jahr später waren seine Arbeiten in Greene beendet, und er legte am 31. August 1863 sein Baukonstrukteurexamen erfolgreich ab. Einige Zeit danach, im März 1865, bekam Uhde eine Anstellung am Polytechnikum in Braunschweig, das 1862 aus dem Collegium Carolinum hervorgegangen war.

Er gab hier Unterricht im Fach Baukunst, wobei Uhde am 7. November 1868 in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen wurde und seit 1871 auch denTitel eines Professors führen durfte.

In den Jahren von 1865 bis 1867 erhielt Constantin Uhde die Gelegenheit, die neue Innenausstattung des Braunschweiger Residenzschlosses zu gestalten, denn während der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 1865 waren durch einen Brand der Mittelbau und der Nordflügel zerstört worden. Das Feuer war in der Bibliothek ausgebrochen, und man hatte es dort schnell gelöscht, jedoch waren die Flammen in die Geheimgänge, von denen keiner wußte, eingedrungen. Da keine Entwurfsskizzen zur Innenausstattung vom Baumeister des Schlosses, Theodor Ottmer, vorlagen, orientierte sich Uhde an dem klassizistischen Bau selbst und entwarf Raumausstattung und Möbel der Beletage im Stile des Empire.

Als weiterer Grund für diese Art der Innenausstattung sind wohl auch seine Reisen nach Paris anzusehen. Die erste begann Uhde 1859 in Schottland, der Heimat seiner Vorfahren mütterlicherseits, ging weiter über England, Paris und Nancy zurück nach Deutschland. Drei Jahre später zog es ihn nochmals nach London und 1863 schließlich wieder nach Paris, wo er kurzzeitig für den Architekten Boeswilwald tätig war und seit Oktober im Louvre die Ausstellungsstücke studierte und zeichnete. Ferner beschäftigte Uhde sich dort auch mit der Kunst der Romantik und der Gotik. Beide Stile beeindruckten ihn so sehr, daß er 1864 erneut in Paris verweilte, wo Uhde Schüler von Viollett Le Duc war. Im gleichen Jahr machte er zu Fuß eine Kunstreise durch Frankreich und Deutschland. Zweimal noch führte ihn sein Weg nach Frankreich, 1867 und 1876 aufgrund der Weltausstellung.

Zwischen 1879 und 1899 reiste Uhde sechsmal nach Großbritannien, jedoch wurde sein architektonischer Stil davon nicht so nachhaltig beeinflußt, wie durch seine fünf Fahrten nach Italien in den Jahren 1869 bis 1886, wo er zahlreiche Aquarelle und Studien über Landschaften, Antike, Hochrenaissance und Barock anfertigte. Mit seiner Reise nach Spanien 1888 ließ er durch neue Stilmittel den Klassizismus und seine Elemente endgültig hinter sich.

Sein berühmtestes klassizistisches Werk ist das Polytechnikum in Braunschweig, das er zusammen mit dem Architekten K. Körner zwischen 1874 und 1877 erschuf. Bis in die mittleren Jahre des nächsten Jahrzehnts entwarf Uhde zahlreiche Villen an der Gauß- und Abt-Jerusalemstraße sowie am Fallerslebertorwall. In der Abt-Jerusalemstraße Nr. 8 verwirklichte er die Pläne für seine eigene Villa, wo er seit 1872 lebte. Zu Uhdes Werken in diesem Viertel gehört auch die 1871 errichtete Okerbrücke.

Seine drei prachtvollsten Villen sind jedoch die Löb-becksche Villa auf der kleinen Anhöhe von Löbbeckes Insel, umgeben von den Bammelsburger Teichen in Braunschweig, Inselwall 11, die Rimpausche Villa von 1882/83 an derWolfenbütteler Straße 1 in Braunschweig mit Auffahrt und klassizistischem Säulenportal und die Jüdel-sche Villa in Braunschweig, Adolfstraße 52, im Stil eines Florentiner Palazzos. Die beiden erstgenannten Villen sind noch teilweise bzw. vollständig erhalten, die andere ist im II. Weltkrieg zerbombt worden. Allen drei Gebäuden ist gemeinsam, daß sie einen großen Park mit Blick auf die Oker hatten, völlig frei standen und Uhde beim Bau kein Geldlimit zu beachten hatte.

Nebenher beschäftigte er sich aber auch mit anderen Aufgaben, wie der nicht mehr existenten Ehrensäule zwischen dem heutigen Domplatz und dem Langen Hof, die 1881 aus Anlaß des 50. Regierungsjubiläums des Herzogs Wilhelm in Braunschweig aufgestellt wurde. Immer wieder fertigte Uhde Konkurrenzentwürfe an, die aber größtenteils nicht angenommen wurden, so auch einen klassizistischen Neubau für die Universität von Straßburg und drei Entwürfe für das Städtische Museum zu Magdeburg, jeweils ausgehend von demselben Grundriß. Angenommen und mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurden hingegen die Pläne für die Braunschweiger Synagoge, die von Uhde 1873 bis 1874 errichtet wurde. Bekannte und erhaltene Bauten in Braunschweig von Constantin Uhde sind das Haus Sonne, Kohlmarkt 19, von 1885 und das Bankhaus Löbbecke, An der Martinikirche 4, von 1892/93, beide Gebäude wurden im Stil der Giebelrenaissance erbaut, ferner die Cramer von Claus-bruchsche Villa, Bismarckstraße 10, heute St.-Vinzenz-Krankenhaus, von 1889, die sogenannten Bremer Häuser an der Jasperallee sowie das ehemalige Hotel Monopol am Friedrich-Wilhelm-Platz.

Zudem beschäftigte er sich wieder mit dem Bau von Synagogen. So entstand eine weitere in Wolfenbüttel und ein Konkurrenzentwurf für eine Synagoge in Dortmund, der aber nicht ausgeführt wurde.

Eine andere Richtung seines künstlerischen Schaffens ist in der künstlerischen Ausstattung der Aufbahrung des Herzogs Wilhelm 1884 und der Ausarbeitung einer Blumenschale und einer Schatulle zur Silberhochzeit des Prinzregenten Albrecht von Mecklenburg, der seit 1884 Regent des Herzogtums Braunschweig war, zu erkennen. Ferner nahm Uhde die Ausgestaltung des Ehrenbürgerbriefes der Stadt Braunschw6ig für Fürst Otto von Bismarck 1895 vor und fertigte 1897 die Vignetten der Festausgabe der Naturforscherversammlung an.

Zudem intensivierte Uhde seine Bemühungen in der Aquarellmalerei, neben der Braunschweiger Bilderreihe von 1881, in der er eine Gesamtansicht der Stadt, das Residenzschloß, den Burgplatz, die Andreaskirche mit der Alten Waage, das Schloß Richmond, den Vorort Riddags-hausen und den Meinhardshof sowie 1900 den Renstoben und die Bockstwete malte, entstanden das Wolfen-bütteler Schloß und eine Anzahl spanischer Bilder, die 1897 von Meißner & Buch in Leipzig gedruckt wurden, so die Kathedrale in Sevilla mit der Giralda, der Vor hof der alten Moschee, jetzt Kathedrale in Sevilla, die Straße in Tanger und der Vörhof der alten Moschee in der Alhambra.

In seinem letzten Lebensdrittel entstanden eine Vielzahl von Büchern: 1887 »Öffentliche und Privatgebäude, entworfen und ausgeführt von C. Uhde«; 1892-96 »Braunschweigs Baudenkmäler«, 3 Mappen; 1892 »Baudenkmäler in Spanien und Portugal«, 120Tafeln, 74Text-seiten, 2 Bände; 1894 »Baudenkmäler in Großbritannien«; 1896 »Die Architektur des klassischen Altertums mit besonderer Berücksichtigung der Säulenordnung und Gesimsbildung«; »Die Konstruktionen und die Kunstformen der Architektur«, Band I—III, 1902-1904, Band IVgehörte druckreif zu Uhdes Hinterlassenschaft.

1893 durfte Uhde im Reichsauftrag nach Chicago reisen; im gleichen Jahr wurde er zum Geheimen Hof rat ernannt und erhielt 1898 das Kommandeurkreuz zweiter Klasse des Ordens Heinrichs des Löwen.

Am 31. Mai 1905 entschlief Constantin Uhde und folgte damit seiner ersten Frau, die bereits 1871 gestorben war. Nach deren Tod hatte er ihre Schwester, Emma von Schwartzkoppen, geheiratet, die ihren Mann zusammen mit vier erwachsenen Kindern überlebte und ihn, nachdem er durch ein Nervenleiden Beeinträchtigungen der Sprache hinnehmen und darum am 1. Oktober 1901 seinen Hochschulberuf aufgeben mußte, die letzten Jahre pflegte.

Literatur
Karl Steinacker, Constantin Uhde, in: Braunschweigisches Magazin, Februar/ März 1906, S. 16-22 und S. 29-34.