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Eduard Vieweg

von Gerd Biegel

Hans Heinrich Eduard Vieweg wurde am 15. Juli 1796 in Berlin geboren. Sein Vater Johann Friedrich Vieweg hatte hier zehn Jahre zuvor einen eigenen Verlag gegründet, der sich sehr schnell zu großer Bedeutung entwik-kelte. So verlegte er u. a. Goethes' Hermann und Dorothea. Sehr früh hatte Friedrich Vieweg in Hamburg den Philantrophen Joachim Heinrich Campe kennengelernt, dessen Tochter Charlotte er 1795 heiratete. Zu dieser Zeit lebte und wirkte Campe bereits in Braunschweig, und so entwickelte sich auch eine enge Verbindung des Berliner Verlages zu Braunschweig und zu Herzog Karl Wilhelm Ferdinand (1780-1806). Dessen wirtschaftspolitische Pläne zur Entwicklung des Herzogtums führten nicht zuletzt durch Förderung Campes zu einem Verlagswechsel von Berlin nach Braunschweig. 1804 konnte hier im großzügig angelegten Vieweghaus am Burgplatz (heute Braunschweigisches Landesmuseum) der Verlag Vie weg seine Eröffnung feiern. Bereits seit 1799 lebte die Familie Vieweg, und mit ihr Sohn Eduard, in Braunschweig.

Dessen Erziehung wurde stark beeinflußt durch den Großvater Joachim Heinrich Campe, war also sehr na-tur- und praxisbezogen ausgerichtet. Nach seiner Schulzeit am Martineum trat Eduard Vieweg ganz im Sinne vaterländischer Begeisterung am 14. Dezember 1813 in das braunschweigische Husarenregiment ein, mußte jedoch ein Jahr später aus gesundheitlichen Gründen seinen Militärdienst beenden. Nun begann Eduard Vieweg eine Lehre im väterlichen Verlagsgeschäft, die er 1921 für zwei Jahre im Hamburger Verlag Hoffmann und Campe fortsetzte.

Entscheidend aber für seine Ausbildung und für die zukünftige Entwicklung des Vieweg-Verlages und des europäischen Druckwesens überhaupt sollten die Reisen werden, die Eduard Vieweg während seiner Lehrzeit nach Frankreich und England führten. So begann in Paris der Kontakt zu Justus Liebig, der über Jahrzehnte hinweg eine enge Bindung bedeutet hat. In England aber waren es die überwältigenden Eindrücke der staatlichen Verwaltung, die Auswirkungen der Industrialisierung und der hohe Stand der Drucktechnik, die den Aufenthalt des jungen Eduard Vieweg und seine persönliche und berufliche Entwicklung maßgeblich beeinflußten. Sein Reisetagebuch, das sich in den Sammlungen des Braunschweigischen Landesmuseums befindet, macht vor allen Dingen das Interesse Eduard Viewegs an Fragen und Problemen der Drucktechnik deutlich, deren Lösungen er in England bis ins kleinste Detail hinein studierte, notierte und zeichnete, um sie in der Heimat verwerten zu können. Er brachte 1823 aus England erstmals eine der damals berühmten Columbia-Druckpressen mit auf den Kontinent und steht damit am Beginn einer geradezu revolutionären Entwicklung des Druck- und Verlagswesens in Deutschland. Die Bedeutung dieser neuen Technik hatte er klar erkannt und so erwarb er auf diese Druckpresse ein Patent. In seinem Auftrag stellten dann die Eisenwerke in Zorge/Harz Pressen dieser Art her.

1825 trat Eduard Vieweg als Teilhaber in den väterlichen Verlag ein, der nun als Verlag Vieweg und Sohn firmierte. Im gleichen Jahr heiratete er die Tochter des Leipziger Finanzrates Heinrich Wilhelm Campe, Luise Campe. Schwerpunkt der Verlagsproduktion in der Zeit von Eduard Vieweg wurden vor allen Dingen naturwissenschaftliche und technische Werke, bei denen er jedoch ebenfalls sehr auf eine kunstvolle und gediegene Ausstattung achtete.

Seine Verlagsarbeit und seine persönliche Aufgeschlossenheit waren die Grundlage für zahlreiche internationale Kontakte zu bedeutenden Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und des öffenflichen Lebens des 19. Jahrhunderts, für die Braunschweig und der Verlag Vieweg ein wichtiger Treffpunkt wurden. Neben seiner Verlagstätigkeit nahm Eduard Vieweg zahlreiche Ämter wahr, so etwa im Rechnungsausschuß des Börsenvereins des deutschen Buchhandels (1838-1850), im Rat der Stadt (1839-1855), in der Landesversammlung (1848-1867). Mit der »Deutschen Nationalzeitung aus Braunschweig und Hannover« (1831-1840), der »Zeitung für das deutsche Volk« (1848), die als »Deutsche Reichszeitung« bis 1866 erschien, sowie in mehreren Abgeordnetenpositionen war Eduard Vieweg auch mit Energie am politischen Leben seiner Zeit beteiligt, bevor er 1866 schwer erkrankte und am 1. Dezember 1869 in Braunschweig starb. Ganz im Sinne seines Vaters und geprägt durch die Ideale seines Großvaters hatte Eduard Vieweg für seinen Verlag und die Stadt Braunschweig gelebt und gewirkt.1)

Anmerkung:
1) Paul Zimmermann, Hans Heinrich Eduard Vieweg, in: Allgemeine Deutsche Biographie Band 39. Leipzig 1895, S. 690-693; Friedr. Vieweg und Sohn in 150 Jahren deutscher Geistesgeschichte. Braunschweig 1936.