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Konrad Koch

Das Kollegium 1864 mit dem Vater Konrad Kochs (vordere Reihe, 2.von rechts)

„Die Frage, ob Fußball in Deutschland eingeführt werden soll oder nicht, bedarf keiner Erörterung mehr, sie ist durch die Macht der Tatsachen entschieden.“ (Prof.Dr. Konrad Koch im Jahr 1894)

Am 13. 02. 1846 kam Wilhelm Carl Johann Conrad Koch als erstes Kind des Oberlehrers Johann Conrad Koch und seiner Ehefrau Louise Wilhelmine in Braunschweig zur Welt.

Er war Schüler des vereinigten Pro- und Obergymnasiums, das von 1866 an den Namen Martino-Katharineum führte. Nach dem Abitur 1864 studierte er dem Vorbild des Vaters folgend Theologie und Philologie, zunächst in Göttingen, später in Berlin und Leipzig.

1868 kehrte Koch, inzwischen promoviert, als Hilfslehrer an seine alte Schule zurück. Ihm war gestattet worden, seinen an einem Augenleiden erkrankten Vater teilweise zu vertreten, bevor er selber schließlich Oberlehrer wurde. Er unterrichtete Latein, Griechisch, Deutsch und Geschichte. 

Schulspiele

Der Sportunterricht zu jener Zeit bestand im Wesentlichen aus Turnübungen, die auf Pädagogen wie Johann Christoph GutsMuth und den „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn zurückgingen. Bereits früh erkannte Konrad Koch auf Anregungen seines Kollegen Hermann Corvinus die pädagogische Bedeutung sportlicher Aktivitäten im Freien. So wurde er, unterstützt von seinem Kollegen August Herrmann (1835-1906), der seit 1869 als Turnlehrer am Martino- Katharineum tätig war, zum Wegbereiter der so genannten „Schulspiele“. Zusammen mit Herrmann führte er Sportarten am MK ein, die die Leistungsfähigkeit, aber auch den Gemeinsinn der Schüler stärken sollten (etwa Cricket als Sommerspiel und „Raffball“, einen Vorläufer des modernen Handballs). Keines der Spiele aber fand so großen Anklang wie der Fußball. Im Rahmen der Schulspiele setzte Koch auf den Fußball als Spiel für den Winter. 

Das erste Fußballspiel

Nachdem Herrmann einen Originalball aus England beschafft hatte, kam es im Oktober 1874 zum ersten Fußballspiel: Schüler des Martino-Katharineums trugen es unter der Leitung von Koch und Hermann auf dem „Kleinen Exerzierplatz“ (hinter dem heutigen „Haus der Wissenschaft“ am Rebenring) aus. 1875 legte Koch die ersten deutschen, noch am Rugby orientierten Fußballregeln vor und gründete den ersten deutschen Schüler- Fußballverein am MK. 

Fußball oder Rugby? Die ersten Regeln

Das Regelwerk erlaubte damals noch den Gebrauch der Hände, sah aber bereits eine Abseitsregelung vor. Schlagen, Treten oder Beinstellen waren verboten. Einen Schiedsrichter im heutigen Sinne gab es nicht. Seine Aufgaben übernahmen so genannte „Spielkaiser“ (Mannschaftsführer). Überraschend aus heutiger Sicht ist die Tatsache, dass auch „Gesundheits-Vorschriften“ zu den Spielregeln gehörten. Liest man die Bestimmungen, so ahnt man, mit welcher Vorsicht und Behutsamkeit der neue Sport damals eingeführt wurde:

  • Schwächliche und kränkliche Schüler werden nur mit ärztlicher Erlaubnis zugelassen.
  • Es wird nie ohne Aufsicht eines Lehrers gespielt.
  • Bei unsicherem Wetter wird nur von Freiwilligen gespielt.
  • Es wird bei der Einrichtung des Spielplatzes dafür Sorge getragen, dass kein Schüler gegen den Ostwind anzulaufen hat.
  • Auf dem Platze darf niemand sich hinlegen oder müßig stehen.
  • Kein Schüler darf ohne Erlaubnis den Rock ablegen; diese Erlaubnis wird nur denen erteilt, die ein wollenes Hemd tragen.  

(Zitiert nach K. Hoffmeister: Ein Braunschweiger Lehrer als Begründer der Schulspiele in Deutschland. Braunschweig 1986)

„Fußball ohne Ballaufnehmen“, also das Spiel nur mit dem Fuß, wurde zunächst als Schlechtwettervariante eingeführt, 1882 dann von Koch mit verbindlichen Regeln als Spielform festgeschrieben. Die überarbeiteten Regeln erschienen 1885 in der zweiten Auflage seines Regelwerks. 

Die 1882 handschriftlich formulierten Regeln für das Spiel „ohne Aufnehmen“
Das erste Regelheft (1. Seite)

Die Verbreitung des Spiels trotz Widerstände

Auf der Basis von inzwischen im Lehrplan des Martino- Katharineums verbindlich festgeschriebenen Schulspielen verbreitete sich der Fußballsport in rasantem Tempo. Erste Vergleichswettkämpfe der MK-Schüler fanden 1888 gegen Mannschaften aus Göttingen und Hannover statt. 1894 gab es sogar internationale Vergleiche gegen Mannschaften aus Großbritannien und den Niederlanden.

Insgesamt konnte Koch im Jahr 1894 feststellen: „Die Frage, ob Fußball in Deutschland eingeführt werden soll oder nicht, bedarf keiner Erörterung mehr, sie ist durch die Macht der Tatsachen entschieden.“

Trotz aller Erfolge vor Ort mussten sich Koch und seine Mitstreiter gegen zum Teil erhebliche Widerstände wehren. Das neue Spiel galt als zu grob, wurde als „Fusslümmelei“ bezeichnet und war vielen im Deutschland nach der Reichsgründung 1871 allein schon deshalb suspekt, weil es aus England stammte. Koch und Herrmann wurden insbesondere von Teilen der Turner als „Spielapostel“ und „Spiel-Schwärmer“ verspottet. 

Veröffentlichungen

Im Zentralausschuss zur Förderung der Volks- und Jugendspiele und mit einer Vielzahl von Schriften stellte Koch der Kritik unermüdlich die Vorzüge des Fußballspiels sowie der Schulspiele allgemein gegenüber und wurde damit auch zu einem grundlegenden Theoretiker des Schulsports in Deutschland. Seine „Geschichte des Fußballs im Mittelalter und in der Neuzeit“ erschien 1894. Als sein Hauptwerk gilt „Die Erziehung zum Mute durch Turnen, Spiel und Sport. Die geistige Seite der Leibesübungen“ (1900).

Insgesamt umfasst die Liste seiner Veröffentlichungen rund 100 Titel. Darunter befinden sich auch akademische Schriften zu schulischen Inhalten („Platos Gorgias als Schullektüre“, „Über Zweck und Ziel des deutschen Aufsatzes“). Auch zum Werk seines Freundes Wilhelm Raabe liegen Beiträge vor.

Professor Dr. Konrad Koch starb am 13. 04.1911 noch vor seiner Pensionierung in Braunschweig. 

Eine Gedenktafel im Eingangsbereich der Aula erinnert an den MK-Lehrer, der an unserer Schule den Fußball mit einem eigenen Regelbuch und der Gründung eines Schülervereins als Erster in organisierter Form einführte. Für die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen gibt es im Sommer eines jeden Jahres das Konrad Koch- Streetsoccer-Turnier auf dem Schulhof an der Breiten Straße, in dem unsere Jüngsten auf spielerische Weise ein Gefühl für die Tradition des MK entwickeln.

(Weitere Veranstaltungen zu Konrad Koch siehe in der Marginalspalte rechts oben)