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Louis Spohr

von Dirk Loeben

Ludwig Spohr wurde am 5. April 1784 in Braunschweig geboren. Seine Eltern, der spätere Medizinalrat Karl Heinrich Spohr und dessen Kusine, die Braunschweiger Pastorentochter Juliane Ernestine Luise Henke, nannten ihn gemäß den damaligen französischen Gepflogenheiten Louis. Er war ihr erstes Kind, bekam später aber noch fünf Geschwister.

Drei Jahre nach seiner Geburt zog der Väter nach See-sen, wo er Physikus wurde. Dort war Louis Spohr Sopranist und erhielt 1789 seine erste Geige.

Bald erkannte sein Musiklehrer Dufour Spohrs Begabung, der bereits Duette für 2 Geigen und eine unvollendete Oper geschrieben hatte. 1798 besuchte Spohr das Collegium Carolinum in Braunschweig und erhielt Geigenunterricht vom Kammermusikus Kunisch und dem Herzoglichen Konzertmeister Marcourt sowie Lektionen in Harmonielehre und Kontrapunkt bei Kantor Karl August Härtung.

Spohrs erste Kunstreise nach Hamburg war ein Fehlschlag, doch gewann er, wieder zurück, das Wohlwollen des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, der ihn am 2. August 1799 zum Herzoglich Braunschweigischen Kammermusikus mit 100 Talern Gehalt im Jahr ernannte.

Der Herzog ermöglichte ihm auch, sich einen Violinlehrer zu wählen, der in Franz Eck im April 1802 gefunden war. Doch dieser befand sich gerade auf einer Konzertreise mit dem Ziel St. Petersburg, so daß der Unterricht während der Tournee aufgenommen wurde, die am 22. Dezember in Petersburg endete. Spohr komponierte sein Violinkonzert op. 1 und drei Duos für zwei Violinen op. 3 und kehrte am 5. Juni 1803 in Begleitung anderer Musiker nach Braunschweig zurück.

Hier konzertierte gerade ein großer Geiger namens Rode, der Louis Spohr zu seinem ersten großen erfolgreichen Konzert veranlaßte, wodurch der Herzog sein Gehalt auf 300 Taler erhöhte.

Im Jahr 1804 machte Spohr, nachdem er zuvor das Violinkonzert Nr. 2 und das Potpourri op. 5 geschrieben hatte, eine erfolgreiche Konzertreise über Halberstadt, Magdeburg, Leipzig, Dresden und Berlin.

Im nächsten Jahr erreichte ihn eine Offerte als herzoglicher Konzertmeister mit 500 Talern aus Gotha, die er zum 5. August annahm. Bei einem Gastspiel der Hofkapelle in Altenburg verlobte sich Spohr mit der Harfen-und Klavierspielerin Dorothee Henriette Scheidler aus Gotha, die er am 2. Februar 1806 in der Schloßkapelle zu Gotha heiratete. In diesem Jahr komponierte er, neben seinem Violinkonzert op. 7, seine erste Oper mit dem Titel »Die Prüfung«.

Am 27. Mai 1807 wurde die erste Tochter Emilie geboren. Nachdem seine Gattin sich erholt hatte, unternahm Spohr mit ihr im Oktober eine Konzertreise über Weimar, Leipzig, Dresden, Prag, Regensburg, München, Stuttgart, Heidelberg und Frankfurt am Main. Wieder in Gotha widmete sich Louis Spohr der Ausbildung der zu ihm kommenden Schüler, mit denen er 1808 auch eine Reise in den Harz unternahm. Insgesamt unterrichtete er im Laufe seines Lebens ungefähr 200 Schüler. Ferner schrieb er für seinen Freund, den Konzertmeister Herm-stedt in Sondershausen einige Klarinettenkonzerte.

Ebenfalls 1808 kam die zweiteTochter Johanna Sophia Louise am 6. November zur Welt, auch entstand eine weitere Oper »Alruna, die Eulenkönigin«, ferner entwik-kelte er sein Talent zum Zeichnen und Miniaturmalen weiter, wie seine Selbstbildnisse belegen.

1809 folgte eine Konzertreise nach Rußland zusammen mit Dorette Spohr. Man gab Konzerte in Weimar, Leipzig, Dresden, Bautzen und Breslau, wurde dann aber von der Herzogin zurückgerufen.

Anno 1810 veranstaltete der Kantor Bischoff von Frankenhausen im Sommer das erste deutsche Musikfest, das von Louis Spohr, wie auch das zweite im Jahre 1811, dirigiert wurde. Bischoff war es auch, der den Anstoß zum Oratorium »Das jüngste Gericht« gab, das am 15. 8.1812 in Erfurt uraufgeführt wurde, doch zuvor entstand noch Spohrs erste Symphonie op. 20.

Im Herbst 1812 trat er wiederum eine Konzertreise von Gotha aus an, die das Ehepaar nach Leipzig, Prag und Wien führte. Als man die Reise nach Italien fortsetzen wollte, unterbreitete der Besitzer desTheaters an der Wien, Graf Palffy, Spohr ein Angebot als Konzertmeister, das dieser annahm. Im Jahr 1813 schrieb Spohr die Oper »Faust«, das Nonett op. 31, das Oktett op. 32 sowie im Jahre 1814 die Kantate »Das befreite Deutschland«.

In Wien hatte Spohr auch freundschaftliche Kontakte zu Carl-Maria von Weber und Ludwig van Beethoven.

1815 hat Spohr den Vertrag in Wien gelöst und konzertierte in Brunn und Breslau, um den Sommer mit seiner Frau beim Fürsten Carolath auf Schloß Carolath in Schlesien zu verleben. Dort entstanden das Offertorium und Notturno op. 34. Bis 1816 unternahm er eine Konzertreise durch Deutschland. Spohr besuchte das Musikfest in Freiburg, reiste dann weiter in die Schweiz und nach Italien, wo er in Venedig den »Teufelsgeiger« Paganini kennenlernte. Im Mai 1817 kehrte Spohr von Neapel zurück nach Deutschland und fuhr rheinabwärts in die Niederlande, wo er in Rotterdam, Den Haag und Amsterdam Konzerte gab.

Im Jahre 1818 nahm er die Tätigkeit als Opern- und Musikdirektor in Frankfurt am Main auf.

Dort entstand auch seine Oper »Zemire und Azor« und die Quartette op. 45 und 61, ferner erfolgte am 29. Juli die Geburt seiner Tochter Therese.

Nach Streitereien kündigte Spohr und erhielt sofort das Angebot, in London Konzertmeister zu werden. In London brach er erstmalig mit der Sitte, vom Klavier aus zu dirigieren, führte den Taktstock ein und hielt sich bei Privatkonzerten vor und nach seiner Darbietung im Salon auf. Er ging also nicht, wie damals üblich, nach seinem Spiel lautlos aus dem Musikzimmer.

Als der Vertrag 1820 erfüllt war und er die zweite Symphonie op. 49 komponiert hatte, kehrte er wieder nach Deutschland zurück, um dem Musikfest unter Leitung des Kantors Bischoff beizuwohnen. Es folgte eine Konzertreise nach Paris, an die sich 1821 ein Aufenthalt in Gandersheim und Dresden anschloß, wo die Messe op. 54 entstand.

Als Carl-Maria von Weber, der auch in Dresden lebte, Hofkapellmeister in Kassel werden sollte, lehnte er dankend ab und schlug Spohr vor, der diese Stellung 1822 antrat, dem Jahr, in dem er die Oper »Jessonda« schrieb. Von jetzt an machte Spohr meist nur noch Urlaubsreisen nach Karlsbad oder Besuche auf Musikfesten, wie in Düsseldorf 1826, Halberstadt 1828 und 1833 oder Nordhausen 1829. Es folgte eine lange Schaffensperiode mit Werken, wie »Der Berggeist«, »Macbeth«, »Die letzten Dinge« sowie die dritte und vierte Symphonie. Sein her-ausragendstes Werk war aber die »Violinschule« im Jahre 1831.

Drei Jahre später, am 20. November 1834, starb Do-rette Spohr. Die Einsamkeit veranlaßte Spohr, am 3. Januar 1836 Marianne Pfeiffer zu heiraten. Nachdem seine zweite Frau in Gotha und Dresden eingeführt worden war, komponierte er die Sonate für Klavier und Violine op. 96 und besuchte das zu seinen Ehren stattfindende Musikfest in Braunschweig.

1838 erlag SpohrsTochterTherese am 3. Juni dem Nervenfieber. Diesen Vorfall suchte er in Karlsbad zu vergessen, wobei er während der Rückreise Robert Schumann kennenlernte. 1839 vollendete Spohr seine »Historische Symphonie« op. 116 und reiste zum Musikfest nach Nor-wich, wo er das Oratorium »Des Heilands letzte Stunden« dirigierte.

In den beiden nächsten Jahren besuchte Spohr das Musikfest in Aachen und Luzern, unternahm eine Reise durch Norddeutschland, wobei er in Gandersheim seine Mutter im Sterben fand und begann von 1841 bis 1849 fünf Klaviertrios für den Verleger Schubert zu komponieren.

1843 lehnte Louis Spohr das ihm angebotene Direktorat des Konservatoriums zu Prag mit dem Ausdruck des Bedauerns ab und ging nach London, um einige seiner Stücke zu dirigieren.

Im folgenden Jahr komponierte er seine letzte Oper »Die Kreuzfahrer«, unternahm erneut eine Reise nach Paris, leitete ein Musikfest, ihm zu Ehren, in Braunschweig und dirigierte 1845 am 11. August bei den Enthüllungsfeierlichkeiten des Bonner Beethovendenkmales.

Aus Anlaß seines 25jährigen Dienstjubiläums am 20. Januar 1847 in Kassel überreichte man ihm eine silberne Ehrenvase. Neben der Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt und zum Generalmusikdirektor verlieh man Spohr den roten Adlerorden III. Klasse von Preußen sowie den Maximiliansorden von Bayern.

Bewegt von der Revolution 1848 fuhr Spohr in seinen Ferien nach Frankfurt, um an der Nationalversammlung teilzunehmen. Es folgte 1850 eine Fahrt zu einem vierzehntägigen Spohrfest nach Breslau und 1851 in die Schweiz und nach Italien. 1852 und 1853 reiste Spohr zweimal nach England. Beim erstenmal wohnte er auf Wunsch der Queen Viktoria der rezitativ umgearbeiteten Premiere von »Faust« im Royal Italian Opera House Co-vent Garden bei, beim zweiten Mal leitete er die Konzerte der New Philharmonie Society.

Es folgten neben seinen Kompositionen Reisen in die Schweiz, in Deutschland und 1856 zum Sängerfest nach Braunschweig, bevor Spohr am 14. November 1857 ohne Gesuch darum mit 1500 Talern pensioniert wurde.

Auch in der Folgezeit unternahm Spohr noch weitere Reisen. Im April 1859 wurde ihm in Meiningen das Großkreuz des Sächsisch-Ernestinischen Hausordens verliehen. Am 22. Oktober desselben Jahres ist er dann in Kassel gestorben.

Literatur
Hartmut Becker und Rainer Krempien, Louis Spohr (1784-1859). Kassel 1984; Schletterer, Louis Spohr, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 35. Leipzig, 1893, S. 239-259.