mk:home | mk:connect | mk:600
Kontakt/Impressum | iServ

Wilhelm Bode

von Dirk Loeben

Als Sohn aus angesehenem, strenggläubigen Hause wurde Georg Wilhelm Julius Bode am 18. Mai 1779 in Königslutter geboren. Sein Vater war der Superintendent Johann Georg Heinrich Bode, der an der dortigen Stiftskirche seinen Dienst versah. Dieser unterrichtete persönlich den Jungen aufgrund der umfassenden Bildung, die sein Amt voraussetzte, und der Tatsache, daß er den hiesigen Bildungsanstalten zutiefst mißtraute. Allerdings legte der Vater gesteigerten Wert auf sein persönliches Steckenpferd, die Geschichte, wodurch andere Fächer nicht genug berücksichtigt wurden. Daher trat Wilhelm Bode erst 1794 mit 15 Jahren, also vergleichsweise spät, ins Katharineum ein. Hier stellten sich sofort große Wissenslücken ein, deren Ausgleich mehrere Jahre in Anspruch nahm.

Gegen Ende des Jahres 1798 immatrikulierte Bode am Juleum zu Helmstedt. An dieser Universität studierte er Rechtswissenschaften. Parallel nahm er an den Vorlesungen in Geschichte teil. Die historischen Vorlesungen wurden seinerzeit für allgemeine Geschichte von Julius August Remer und für Kirchengeschichte von Philipp Konrad Henke gehalten. Zum 18. Oktober 1800 wechselte Wilhelm Bode an die Universität Göttingen.

Schon im November 1801 legte Bode seine juristische Staatsprüfung im Herzogtum Braunschweig erfolgreich ab, um alsbald seine Laufbahn im Braunschweiger Staatsdienst zu beginnen. Der Anfang hierzu war durch den Vorbereitungsdienst seit 1802 in Königslutter gemacht, wo er als Aktuar am fürstlichen Amte arbeitete. Diese Stellung sollte Wilhelm Bode bis 1808 innehaben, wobei er nebenher auch an den Klostergerichten in Wobeck, Bornum und Schöningen seinen Dienst versah.

Nach dem Einmarsch der Franzosen 1806 versuchte er sich insofern anzupassen, als er die Gesetze, i. e. den Code Napoleon vom 1. 1.1808 und die Kriminal- und Zivilprozeßordnung vom Sommer desselben Jahres, der Besatzer respektierte und anwendete. Dies führte am 16. März 1808 zu seiner Berufung zum Friedensrichter imKanton Bahrdorf. Gleichzeitig fiel Bode die Aufgabe zu, ein neues Grundsteuerkataster zu erstellen, um den Einzug der neuen Grundsteuer jetzt von allen Grundbesitzern zu ermöglichen. Dies war die Grundlage für Bodes 1825 erschienenes Buch der Grundsteuersysteme des Herzogtums Braunschweig.

1811 heiratete Bode die Helmstedterin Karoline Franziska Henke, die ebenfalls aus strenggläubigem Hause kam, da ihre Vorfahren Äbte des Stifts Königslutter waren.

Nach dem Abzug der Franzosen faßte man einige Kantone zu einem Kreisgericht zusammen und ernannte Wilhelm Bode am 21. Januar 1814 zum zweiten Beamten des KreisgerichtesVorsfelde. Zum 2. August 1820 beförderte man ihn zum ersten Beamten des Kreisgerichtes Rid-dagshausen. Hier schloß er sich als Historiker einem Kreis Gleichgesinnter an, die sich im Großen Weghaus zu Stöckheim trafen. Am 4. Juni 1824 folgte seine Berufung zum Mitglied der Landes-Ökonomie-Kommission. Ein Jahr später ließ sich Wilhelm Bode unter Protektion des Vorgängers, StadtdirektorWilmerding, vom Stadtverordnetenkollegium zum neuen Stadtdirektor von Braunschweig wählen, wenn ihm auch der geforderte Titel des Oberbürgermeisters verwehrt blieb. Bodes Kandidatur wurde unterstützt, weil er die Querelen zwischen Stadt und Herzog aufgrund ungeregelter Besitzansprüche zugunsten der Stadt beilegen wollte. 1)

Nachdem Bode am 1. Oktober 1825 in sein Amt eingeführt worden war, nahm er als erstes seine Schulreform vor. Im Januar 1827 bildete er die Kommission zur Neugestaltung der höheren Schulen, in der Bode selbst die treibende Kraft war; nach Genehmigung des Staatsministeriums vom 10, 10. 1827 wurde 1828 das neue Gesamtgymnasium durch Schulzusammenlegungen gegründet, wobei Bode als Ephor 2) die Oberaufsicht innehatte; im selben Zeitraum wurden neue Lehrpläne aufgestellt und ein allgemeines Lehrergehalt festgesetzt; ferner wurden 1828 eine Taubstummenschule und eine jüdische Schule ins Leben gerufen; 1829 eine Blindenschule sowie 1830 zwei große, ausgebaute, städtische Bürgerschulen und zwei Armenschulen. Ansonsten wurden die staatliche Schule des Großen Waisenhauses und die staatliche Garnisonsschule weitergeführt. In Anbetracht dieser Leistungen verlieh der rechtswissenschaftliche Zweig der Universität Göttingen Wilhelm Bode am 5. September 1828 die Ehrendoktorwürde.

Parallel zur Schulreform dachte Bode auch das Collegium Carolinum reformieren zu können. So wollte er den Verzicht auf nichttechnische Wissenschaften, den Reifezeugnisnachweis und eine Hochschulordnung. Jedoch scheiterte dieses Projekt durch die Ablehnung innerhalb der Ständeversammlung wegen des hohen finanziellen Aufwandes.

In diesen Jahren wurde zudem die politische Lage im Herzogtum zunehmend brisanter. Der junge Herzog Karl II. versuchte mehr und mehr in seinem Land absolutistisch zu herrschen, wodurch es zu ständigen Auseinandersetzungen mit der Ständeversammlung über die 1820 verabschiedete Landschaftsordnimg kam.3)

Als man zur Klärung den Bundestag in Frankfurt am Main anrief, war Bode Abgeordneter der Stadt Braunschweig, Mitglied der Landstände und Redeführer seiner Fraktion. Daraufhin untersagte das Staatsministerium, weil es liberales Gedankengut nicht tolerierte, Bode 1829 die gleichzeitige Mitgliedschaft in der staatlichen Landes-Ökonomie-Kommission und den Verbänden der Stände. Bode reagierte, indem er auf die Entlassung aus der Stellung in der Kommission bestand, diesem Antrag wurde am 16. Februar 1830 stattgegeben.

Im Laufe der nächsten Monate eskalierte die ohnehin angespannte Lage zum 7. September, dem Tag des Ausbruchs der Braunschweiger Revolution: Erhebungen innerhalb der Ständeversammlung, Brand des Schlosses Grauer Hof, Flucht des Herzogs, Zeughausplünderung durch die Bürgergarde, Unzufriedenheit bei der Bevölkerung, beim Adel, bei der Beamtenschaft und beim Offizierkorps. Man befürchtete einen Bürgerkrieg, der Deutsche Bund und das Staatsministerium wollten eingreifen. In dieser wohl gefährlichsten Situation in Bodes Amtszeit bewies er frühzeitig Geistesstärke und Risikobereitschaft. Der redegewandte Bode konnte die Bürger beruhigen und schickte nach dem jüngeren Bruder des geflohenen Herzogs nach Berlin. Wilhelm kam zwar, doch wollte er nur kurzzeitig die Regentschaft für seinen Bruder übernehmen, doch Wilhelm Bode gelang es auf Schloß Richmond, Wilhelm davon zu überzeugen, daß zur Gewährleistung der Staatssicherheit dieser der neue Souverän sein müsse. Dann sorgte Bode für den nötigen Rückhalt beim Volk, so daß die Revolution beendet war.

Zusammen mit dem liberaler eingestellten Herzog Wilhelm konnte Bode im August 1832 das Interimistikum verabschieden, einen Vorvertrag zur Sicherung insbesondere der Besitzrechte an Grundstücken der Stadt gegenüber dem Herzog.4) Am 12. Oktober trat eine liberale Verfassung in Kraft, die Neue Landschaftsordnung, an der Bode ebenfalls großen Anteil hatte.

Neben der Politik vergaß er jedoch nie seinen sozialen Auftrag, denn er war auch aktives Mitglied im Direktorium des Großen Waisenhauses, des Sankt-Alexius-Pflegehauses, des Herzoglichen Armen-Direktoriums und der Landesdirektion der Allgemeinen Witwen-Versorgungsanstalt, ferner Vorsitzender des Herzoglichen Obersanitätskollegiums.

Auch der Historiker Bode machte immer wieder auf sich aufmerksam, denn durch seine Reformen mußte er oft in die Verwaltungsgeschichte der Stadt Einblick nehmen und konnte dabei auf den reichlichen Bestand des städtischen Archivs zurückgreifen. Allerdings waren Zustand und Unterbringung der Archivbestände mehr als besorgniserregend. Die Konsequenz hieraus war die Umlagerung der Bestände in den großräumigen Kreuzgang der Brüdernkirche 1835 und die Neuordnung der Archivalien seit 1839. Diese gewaltige Aufgabe konnte nur mit Hilfe eines Zirkels geschichtsinteressierter Bürger gelingen, die sich ehrenamtlich einsetzten. Aus diesem Kreis entwickelte sich 1842 die Vereinigung zur Ordnung des Stadtarchivs. Mit Akribie katalogisierte Bode vorwiegend das alte Ratsarchiv und widmete sich ansonsten der Erforschung der Geschichte Ostfalens und der Stadt Braunschweig. Ergebnis dieser Arbeit war im Jahr 1828 die Veröffentlichung der Darstellung der Kulturgeschichte Ostfalens im Zeitraum von 772-1024, die Untersuchung der älteren Münzgeschichte der Staaten und Städte Niedersachsens 1847, die Geschichte des Bundes der Sachsenstädte (nach seinem Tode 1862), die Geschichte der Unterrichtsanstalten und der Hospitale der Stadt Braunschweig, aber auch Rechenschaftsberichte der Stadtverwaltung seit 1832.

1848 beantragte Wilhelm Bode selbst seine Entlassung aus dem Amt. Dieser Bitte kam man am 8. April desselben Jahres nach und pensionierte ihn, ohne sein Gehalt zu kürzen. Jedoch arbeitete er weiter für das Stadtarchiv, bis zu seinem Tod am 20. April 1854.

Wilhelm Bode hinterließ dem Stadtarchiv zirka 380 reichlich beschriebene, handschriftliche Buchbände.


Anmerkungen
1) 1671 hatte die Stadt Braunschweig mit Herzog Rudolf August, der die Hansestadt unterworfen hatte, einen Friedensvertrag unterzeichnen müssen, in dem sie zahlreiche Rechte und Besitztümer entschädigungslos abgab.
2) spartanisch: Aufseher
3) Verabschiedung durch eine Vormundschaftsregierung, da Karl II. noch unmündig war.
4) Bodes Nachfolger, Heinrich Caspari, schloß 1858 den endgültigen Vertrag, in dem der Staat der Stadt finanzielle Unterstützung zusicherte und u. a. das Altstadtrathaus zurückgab. (Caspari-Vertrag)

Literatur:
- Theodor Müller, Wilhelm Bode, in: Niedersächsische Lebensbilder Bd. 4 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen). Hildesheim 1960, S. 30-43
- Elisabeth E. Kwan, (105)Wilhelm-Bode-Straße. Braunschweig 1987 Theodor Müller, Stadtdirektor Wilhelm Bode, (Braunschweiger Werkstücke Bd. 29). Braunschweig 1963