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Latein

Über die in den letzten Jahren konstant guten Anmeldezahlen für den Lateinunterricht an unserer Schule freuen wir uns, weil sie die häufig geäußerte Aussage widerlegen, Latein sei eine „tote“ Sprache. Der Lateinunterricht in der Oberstufe wird zwar nicht so stark angewählt wie in der Mittelstufe, dennoch können wir seit Jahren Grundkurse mit stabilen Teilnehmerzahlen anbieten, so dass Latein bis zum Abitur unterrichtet wird.  

Abgesehen vom normalen Unterricht gibt es an unserer Schule diverse Aktivitäten im Fach Latein:
In unregelmäßigen Abständen führen wir Exkursionen für die Mittelstufe durch (z.B. nach Kalkriese oder an den Limes). Außerdem besuchen wir bei gegebenem Anlass am Nachmittag gemeinsam aktuelle Kinofilme (z.B. Troja oder Alexander), die wir im Unterricht vor- und nachbereiten. 

Ein Höhepunkt für die Oberstufe ist die jährlich stattfindende Studienfahrt nach Rom. Diese Fahrt wurde in den 1990er Jahren von unseren beiden ehemaligen Kollegen Frau Hirzel und Herrn Engel ins Leben gerufen und erfreut sich seither großer Beliebtheit. Die Romfahrt richtet sich an alle Lateinschüler/innen des 12. Jahrgangs im Pflicht- und im Wahlfreiunterricht. Um die Teilnehmer/innen auf die zahlreichen Sehenswürdigkeiten in Rom sinnvoll vorzubereiten, müssen alle interessierten Schüler/innen im 11. Jahrgang an der so genannten Rom-AG teilnehmen und dort ein Referat übernehmen. Zu Beginn des 12. Jahrgangs (meistens im September) fahren wir dann für zehn Tage in die „Ewige Stadt“ - ein unvergessliches Erlebnis!

CUI BONO? (Wem nützt es?)   

„Latein ist doch eine tote Sprache!“ 
Dieses ist sicherlich das meistgehörte Argument in der Diskussion um den Nutzen und die Bildungstauglichkeit des Lateinischen an unseren Schulen. Ausgedrückt wird schlechthin, dass die Sprache nirgendwo mehr in Gebrauch ist und somit ein Ertrag
 für die Zukunftsfähigkeit der Schüler nicht gegeben sei. Lateinkritiker verweisen den Lateinunterricht mit diesem „Totschlagargument“ auf den Bildungsfriedhof, fernab von deutschen Klassenzimmern.

„Wieso Latein?“, 

fragen sich jedes Jahr von neuem Schüler und Eltern, wieso trotzdem Latein? Tatsächlich wird Latein heutzutage nicht mehr gesprochen, ist keine Muttersprache mehr, entwickelt sich nicht mehr weiter. In dieser Hinsicht mag, wer will, das Lateinische „tot“ nennen. Aber wer würde schon auf den Gedanken kommen, seinen Computer, sein Telefon oder sein Auto als „lebendigen“ Gegenstand zu bezeichnen? Trotzdem möchte kaum jemand ohne diese „toten“ Dinge auskommen. „Tot“ heißt eben nicht zugleich „unnütz“ oder „funktionslos“. Es kommt vielmehr auf den Umgang, die Handhabung und die Art und Weise des Einsatzes eines solchen Gegenstandes an.

   
Sprachreflexion und „Sekundärtugenden“ 

Der Lateinunterricht verfolgt nicht das Ziel einer aktiven Sprachbeherrschung, und er möchte auch nicht in Konkurrenz zu den „modernen“ Fremdsprachen treten, deren Nutzen in unserer kleiner werdenden Welt nicht zu bezweifeln ist. Im altsprachlichen Unterricht wird nicht die Fähigkeit der Kommunikation eingeübt, sondern die der bewussten Reflexion von Sprache. Darin unterscheidet sich Latein sowohl vom Englisch- oder Französischunterricht als auch von den Inhalten des Faches Deutsch.
Bei der Übersetzung lateinischer Texte ins Deutsche wird wie in keinem anderen Fach das System und die Funktionsweise von Sprache durchleuchtet. Dies erfordert ein konzentriertes und genaues Hinsehen, welches sich aber doppelt auszahlt: wer immer wieder das Lateinische und Deutsche in Deckungsgleichheit und Kontrast beobachtet, entwickelt einen Blick für systemhafte Zusammenhänge, lernt dabei, auch andere komplexe Gegenstände strukturierend und analytisch anzugehen. So erzieht Latein zum genauen Hinsehen und logischen Denken und fördert zugleich die Gründlichkeit und Ausdauer, die Konzentrationsfähigkeit, die Beobachtungsgabe und das Unterscheidungsvermögen des Schülers – lange Zeit belächelte „Sekundärtugenden“, scheinbar aus der pädagogischen Mottenkiste, deren Legitimation spätestens seit PISA niemand mehr bestreiten will.

Latein und andere Sprachen 

Latein schult auch die Fertigkeiten im Deutschen selbst: zahllose Fremd- und Lehnwörter stammen aus dem Lateinischen, so dass der Unterricht in dieser Sprache den Wortschatz zu erweitern hilft und die Studierfähigkeit der Schüler verbessert. Außerdem wird durch die beständig geforderte genaue Übersetzungsleistung auch das muttersprachliche Können, die sprachliche Kreativität und das genaue Textverständnis gefördert.
Latein vermittelt zudem wie kein anderes Fach zahlreiche Methoden zur systematischen Erschließung und Übersetzung von Texten, die auch für andere Fremdsprachen sehr gut genutzt werden können. Latein ist die Mutter mehrerer Töchter, die Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch heißen. Zahlreiche Wörter dieser Sprachen haben ihren Ursprung im Lateinischen. Auch Englisch steht in enger Beziehung zur Sprache der Römer: ca. 60% des englischen Wortschatzes lassen sich von ihr ableiten.

Viel mehr als nur Caesar! 

Manche Eltern werden sich wie folgt an ihren Lateinunterricht erinnern: unvermeidlich taucht das Bild Caesars auf, der in möglichst großen Tagesmärschen durch Gallien eilt, während in Rom die Senatoren damit beschäftigt sind, in möglichst komplizierten Sätzen lange Schriften über die beste Verfassung des Staates anzufertigen. Schon in den ersten Lehrbuchlektionen werden die Taten berühmter Feldherren gepriesen, garniert mit einigen moralinsauren Aussprüchen römischer Philosophen über die richtige Einstellung zum Leben und Tod.

Wer von diesen Eltern ein modernes Lehrbuch aufschlägt, wird seinen Augen nicht trauen! Latein hat Themen für jeden und jede Altersstufe! Die Auseinandersetzung mit der lateinischen Sprache bietet einen vertieften Einblick in die römische Lebenswelt, wie sie der Geschichtsunterricht schon lange nicht mehr bieten kann. Im Anfangsunterricht werden die Schüler mitgenommen auf eine spannende Zeitreise in eine ihnen fremde und neue Welt. „Wie sah eine römische Schule aus?“ Was haben die Römer gegessen? Wie lebten die Sklaven? Wie verbrachten römische Kinder ihre Freizeit?“ sind nur einige der Fragen, mit denen sich Lateinschüler heute beschäftigen.

Mit fortschreitendem Kenntnisstand und Alter der Lernenden werden andere Fragestellungen aufgeworfen. Was heißt es eigentlich:
 •  ein wirklich guter Freund zu sein
 •  glücklich zu leben
 •  zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden
 •  für sich und andere Verantwortung zu übernehmen?
Viele römische Schriftsteller haben sich über solche und andere Probleme den Kopf zerbrochen. Latein trägt insofern in besonderem Maße zur Persönlichkeitsbildung der Schüler bei, da durch die kritische Auseinandersetzung mit antiken Texten die Bedeutung von wichtigen Grundwerten wie Menschenwürde, Freiheit, Toleranz, Demokratie, Frieden sowie existenzielle Themen wie z.B. Freundschaft, Liebe und Tod unter Berücksichtung des historischen Wandels im Mittelpunkt stehen.

Latein und Europa 

Besonders das Fach Latein fühlt sich dem Europagedanken verbunden und verpflichtet, hat doch das Erbe der Antike die Geschichte Europas bis in die heutige Zeit hinein beeinflusst. Latein ist ein ständiger Begleiter unseres täglichen Lebens: in der eigenen wie in fremden Sprachen, in Technik, Medizin und Recht... Die Beschäftigung mit Latein trägt also wesentlich dazu bei, den Bildungshorizont in Fragen der Geschichte, der Religion, des Rechts, der Politik, der Philosophie, der Literatur, der Malerei und Architektur zu erweitern und „europatauglich“ zu machen.

P.S.: Das ‚Latinum’ 

Die Jagd nach dem besten numerus clausus (lat.!) beginnt oftmals schon beim Eintritt ins Gymnasium. Die Schüler sollen sich durch ein möglichst gutes Abitur alle Zukunftschancen offen halten – da stört das vermeintlich schwere Fach Latein doch nur.
Abgesehen von der grundsätzlichen Zweifelhaftigkeit einer solchen Zukunfts“planung“ erweist sich der Mangel an Lateinkenntnissen im Studium oftmals als großes Hindernis. Denn der Nachweis über Lateinkenntnisse, das sog. „Latinum“, ist an deutschen und europäischen Universitäten Voraussetzung für eine Vielzahl von Studiengängen (etwa der romanischen Sprachen Italienisch, Spanisch, Französisch und Portugiesisch, für den Studiengang Germanistik, Englisch, Russisch, Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturgeschichte, Musikwissenschaft, Archäologie, Ethik, Philosophie, Theologie sowie für das Medizin- und Jurastudium, für das Studium der Biologie, Politik, Pädagogik, Pharmazie, Psychologie, Japanologie und Theaterwissenschaft). Wer Latein an der Universität nachholen muss, verliert im Durchschnitt zwei Semester!